Prüfungsangst ist mehr als nur „aufgeregt sein“. Sie ist eine ganz normale menschliche Stress- und Bewertungsreaktion, die dann entsteht, wenn Leistung erwartet, bewertet oder sogar verknüpft wird mit dem eigenen Selbstwert. Schon Kinder erleben sie vor Klassenarbeiten, später kann sie sich als Lampenfieber bei Präsentationen oder Assessments zeigen – bei Jugendlichen wie bei Erwachsenen. Prüfungsangst ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Signal des Körpers und der Psyche, dass die Situation als bedeutsam und potenziell „bedrohlich“ erlebt wird.
Psychologisch entsteht Prüfungsangst dort, wo die Erwartung „ich muss genug leisten“ mit persönlichen Ansprüchen, negativen Erfahrungen oder Bewertungsdruck kombiniert wird. Dazu kommen Erwartungen aus dem Umfeld, innere Perfektionserwartungen oder Unsicherheiten über den Prüfungsstoff. Wenn dieser Mix stark ist, aktiviert unser Nervensystem das, was viele als „Angst“ wahrnehmen: Herzklopfen, innere Unruhe und einen Gefühlsknoten im Bauch.
Wie zeigt sich Prüfungsangst? – Körper, Gefühl und Gedanken
Prüfungsangst kann sich auf drei Ebenen bemerkbar machen:
Körperlich: Viele erleben körperliche Stressreaktionen wie Herzrasen, Schwitzen, zittrige Hände oder sogar Magen- und Schlafprobleme. Diese Reaktionen sind nicht nur „Nervosität“, sondern Ausdruck einer Aktivierung des Nervensystems.
Emotional: Innere Unruhe, Nervosität, ein Gefühl von „nicht gut genug sein“ oder plötzlich auftretende Unsicherheit gehören dazu. Betroffene fühlen sich manchmal blockiert, noch bevor die Prüfung begonnen hat.
Gedanklich: Hier spielt ein Phänomen eine große Rolle, das viele kennen: Blackouts oder der Eindruck, dass gerade „keine klaren Gedanken mehr da sind, obwohl man den Stoff gelernt hat“. Dieses Erleben – ein plötzlicher Ausfall von Fokus und Gedächtnis – ist eine typische Folge von innerem Stress und Angst in Hochdrucksituationen. Viele berichten, dass genau das in entscheidenden Momenten passiert: Das Wissen war da, aber der Zugriff fällt schwer.
Was sind häufige Auslöser von Prüfungsangst?
Prüfungsangst entsteht nicht einfach aus dem Nichts. Wichtige Auslöser sind u. a.:
- Eigener Anspruch oder Perfektionismus, bei dem Fehler als Versagen erlebt werden.
- Vergangene negative Prüfungserfahrungen, die als Erwartungsangst wirken.
- Druck von außen – durch Schule, Eltern, Leistungserwartungen oder soziale Vergleiche.
- Unsicherheit über Prüfungsformate oder Inhalte, was das Gefühl verstärkt, „nicht gut vorbereitet“ zu sein.
- Fehlende Strategien im Umgang mit Stress und innerem Druck, was die körperlichen und emotionalen Reaktionen verstärkt.
All diese Faktoren können dazu führen, dass sich ein eigentlich gut vorbereiteter Mensch genau im Moment der Leistung blockiert fühlt.
Wie arbeite ich mit Klientinnen und Klienten bei Prüfungsangst?
In meiner Praxis betrachte ich Prüfungsangst ganzheitlich – und frage immer zuerst: Wie zeigt sie sich konkret bei dir? und Was sind deine inneren Auslöser und Bewertungserwartungen?
Ich unterscheide dabei zwei Ebenen:
1. Ebene: Die Symptome verstehen und regulieren
Hier geht es darum, körperliche, emotionale und gedankliche Reaktionen bewusst wahrzunehmen und zu lernen, wie sie sich im Moment beeinflussen lassen – sei es durch Atemfokus, Präsenz im Körper oder durch einen anderen Umgang mit innerem Druck.
2. Ebene: Die Ursachen bearbeiten
Die wirksame Veränderung beginnt dort, wo wir die inneren Erwartungsstrukturen, Glaubenssätze und Bewertungskriterien anschauen, die Prüfungsangst überhaupt entstehen lassen. Hier arbeite ich daran, Stress- und Bewertungssysteme langfristig stabiler zu machen, so dass Angst gar nicht erst überhandnimmt.
Bei Kindern geht es oft um konkrete Situationen im Schulalltag oder bei Klassenarbeiten – bei Jugendlichen und Erwachsenen ebenso um Prüfungssituationen, aber auch um Präsentationen, Assessments oder Lampenfieber auf Bühnen und in beruflichen Kontexten. Meine Begleitung ist dabei altersübergreifend und konkret auf die jeweilige Situation zugeschnitten.
Warum lohnt es sich, Prüfungsangst anzugehen?
Prüfungsangst kann nicht nur kurzfristig eine Leistung eintrüben, sie kann langfristig dazu führen, dass Menschen Potenziale unzureichend entfalten oder sich Situationen vermeiden, die für ihre Entwicklung wichtig wären. Wenn wir jedoch verstehen, wie Angst entsteht, wie Körper und Psyche in Leistungsdynamiken reagieren und wie wir in den Stressmomenten – und davor – einen anderen Umgang finden, kann Prüfungsangst zu einem kontrollierbaren Zustand werden.
Auf diese fokussierte Arbeit möchte ich in den individuellen Sitzungen eingehen – für alle, die Prüfungen, Präsentationen oder Lampenfieber künftig als Herausforderung und nicht als Bedrohung erleben wollen.