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Kinder mit Legasthenie und Dyskalkulie erleben den Schulalltag anders als ihre Mitschüler: Trotz großer Begabungen, ja sogar Hochbegabung fällt es ihnen schwer, Buchstaben oder Zahlen richtig zu erfassen und sie verarbeiten Informationen auf eigene Weise. Dadurch kommt es häufiger zu Misserfolgen und frustrierenden Rückmeldungen. Forschungsergebnisse belegen, dass diese negativen Erfahrungen Depressionen und Angststörungen begünstigen und den Selbstwert beeinträchtigen können. Ohne gezielte Unterstützung verlieren Kinder schnell die Freude am Lernen.

Was bedeutet Selbstwert – und warum ist er für gesundes Lernen entscheidend?

Der Selbstwert ist die innere Bewertung der eigenen Person – er beeinflusst Motivation, Emotionen und Lernbereitschaft. Wenn Kinder trotz großer Anstrengung schlechtere Leistungen erbringen, entsteht ein Kreislauf aus Misserfolgserlebnissen, Versagensangst und sinkendem Selbstvertrauen. Studien zeigen, dass Kinder mit Dyskalkulie häufiger ein niedriges Selbstwertgefühl haben und unter Angst oder Depressionen leiden, wenn keine Unterstützung erfolgt. Positive Kompetenzerlebnisse wirken dagegen wie ein Schutzschild: Wer das Gefühl hat, rundum angenommen zu werden, etwas gut zu können, entwickelt ein stabiles Selbstwertgefühl und nimmt die Rolle als Schüler aktiv an.

Viele Kinder erleben zudem, dass ihre Lese- oder Rechenschwierigkeiten fälschlicherweise als mangelnde Intelligenz interpretiert werden. In einer Studie berichteten 50 % der befragten Kinder mit Legasthenie, dass sie gemobbt oder gehänselt wurden; 30 % fühlten sich faul oder dumm, 50 % hätten lieber mit einem anderen Kind getauscht (vgl. Studie irrc.education.uiowa.edu). Diese Erfahrungen nagen am Selbstwert und machen sie unsicher.

Welche Schutzfaktoren stärken Selbstwert und Resilienz?

Aktuelle Forschungen verstehen Resilienz als dynamischen Prozess. Kinder mit Lernschwierigkeiten entwickeln stabile Selbstbilder, wenn mehrere Schutzfaktoren zusammenspielen:

  • Frühzeitige Diagnose – Eine fundierte Abklärung gibt Klarheit, erleichtert das Verständnis für die Lernschwierigkeiten und reduziert den Leidensdruck. Sie legt die Basis für schulische Maßnahmen wie Nachteilsausgleich sowie für gezielte Förderprogramme (Legasthenie- oder Dyskalkulie-Training, Lerncoaching)
  • Positive Rückmeldungen – Wertschätzende und realistische Rückmeldungen von Eltern und Lehrern sind ein wichtiger Schutzfaktor und stärken das Selbstwertgefühl.
  • Emotionale Unterstützung – Eine starke Eltern-Kind-Beziehung und das Verständnis der Eltern tragen zur Entwicklung von Selbstwert und Selbstwirksamkeit bei. 
  • Adaptive Bewältigungsstrategien – Kinder, die lernen, mit Frustration umzugehen und ihre Gefühle bewusst zu regulieren, bewahren ihren Selbstwert und sind weniger anfällig für depressive Symptome. Ein bewusstes Emotionsmanagement hilft ihnen, mit stressigen Situationen umzugehen.

Was können Eltern und Bezugspersonen konkret tun?

Wie lassen sich Erfolgserlebnisse schaffen?

  • Stärken betonen: Ermöglichen Sie Ihrem Kind Aktivitäten, in denen es seine Kompetenzen zeigen kann. Erfolge außerhalb von Lesen und Rechnen stärken den Selbstwert und schaffen eine positive Selbstwahrnehmung.
  • Gemeinsame Zielvereinbarung: Durch individuelle Förderung – zum Beispiel Lerncoaching in der Lernpraxis Dr. Weiss – können Kinder ihre eigenen Ziele definieren und Schritt für Schritt Erfolge erleben. Dabei werden sie ermutigt, Fehler zu machen und aus Know-how und Selbstwirksamkeit Selbstvertrauen und Lernfreude zu entwickeln. Meine klare Haltung: Wer keine Angst vor Fehlern hat, lernt leichter – und besser. Und wird sich lebenslang mehr zutrauen. 

Wie gelingt eine lernfreundliche Fehlerkultur?

  • Loben und anerkennen: Loben Sie nicht nur Ergebnisse, sondern auch Anstrengungen und Fortschritte. Positive Rückmeldungen wirken langfristig stärker als die Fokussierung auf Fehler oder Noten.
  • Fehler zulassen: In einer lernfreundlichen Fehlerkultur werden Fehler als Teil des Lernens betrachtet. Eine wachstumsorientierte Denkweise (Growth Mindset) stärkt die Resilienz und beugt der Angst vor Fehlern vor.

Wie können Kinder mit ihren Emotionen gut umgehen?

  • Emotionen benennen: Reden Sie offen über Frust, Angst oder Traurigkeit. Das Erkennen und Benennen von Gefühlen ist der erste Schritt zur Emotionsregulation. Entspannungsübungen, Atemtechniken oder positive Selbstaffirmationen können helfen.
  • Unterstützungsnetzwerke nutzen: Professionelle Unterstützung – sei es durch Lerncoaching oder tiergestützte Interventionen – kann den Selbstwert steigern und neue Perspektiven eröffnen. Tiergestützte Maßnahmen verbessern psychosoziale Fähigkeiten und fördern das Selbstwertgefühl.

Wie unterstützt Lerncoaching die Entwicklung eines stabilen Selbstwerts?

Lerncoaching ist mehr als Nachhilfe. Es setzt am Lernverhalten an und fördert die Eigenverantwortung. In meiner Lernpraxis erproben Kinder bewährte Methoden und dürfen Fehler machen. Durch die Verbindung von Wissen („Ich weiß, wie es geht“) und Selbstwirksamkeit („Ich kann das“) entwickeln sie Selbstvertrauen und Freude am Lernen. Es werden Selbstvertrauen, lösungsorientiertes Denken und Zuversicht gefestigt. 

Kinder mit Legasthenie und Dyskalkulie brauchen fachliche Unterstützung und ein wertschätzendes Umfeld, das ihren Selbstwert stärkt. Die Lernpraxis Dr. Weiss begleitet Eltern, Kinder und Jugendliche dabei, Lernprozesse zu verstehen, Stärken zu entdecken und den Selbstwert Schritt für Schritt zu stärken.

Welche Perspektiven eröffnen sich für die Zukunft? 

All das spiegelt die Erfahrung wider, dass Menschen mit Legasthenie und Dyskalkulie häufig besonders kreative Denker und effiziente Problemlöser sind. Ich betone gerne, dass Legasthenie und Dyskalkulie keine Begrenzung sind, sondern eine andere Art zu denken. Viele erfolgreiche Problemlöser berichten, dass gerade ihre besondere Wahrnehmung sie kreativ und innovativ gemacht hat. Wenn wir unsere Stärken erkennen und unseren Selbstwert nähren, können wir in jedem Beruf herausragend sein.  

Legasthenie und Dyskalkulie – wie gelingt die Stärkung des Selbstwertes?